Lines
Akkordeon solo
von Sven Hermann [1999]
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Mit Vertrautem zu Neuem führen:
Lines, bestehend aus sechs kurzen Stücken für Akkordeon solo, beschäftigt sich
mit den Möglichkeiten, die Erscheinung einer musikalischen Linie zu komponieren.
Sie kann (wie in #6) als musikalisches Material im Vordergrund stehen, die Aufmerksamkeit
wird allein auf sie gelenkt, sie kann aber auch (#1) untergeordnet als eine
Art Subbewegung in einem Gesamtklang erscheinen oder sogar absurderweise durch
ihre Bewegung Statik erzeugen (#4). Lines entstand mit der Absicht, pädagogische
Literatur für den Fortgeschrittenenunterricht zu komponieren; jeder Komponist
kennt die Schwierigkeit, einfach zu schreiben und dennoch ein Hinführen des
heranwachsenden Musikers zur zeitgenössischen Musik zu ermöglichen. Die Einfachheit
der Linienkonzeption: Skalen (diatonisch und chromatisch) sind bekannte musikalische
Signale, die hier jedoch anders als in traditioneller Literatur verwendet werden
(vergleichbar mit dem synthetischen Kubismus, in dem Zahlen und Zeitungs- oder
Partiturfetzen den vertrauten gegenständlichen Charakter ersetzen und das einzig
übergebliebene Vertraute sind, an das sich der Betrachter klammern kann, um
sich von dort aus in für ihn unerforschtes Territorium voranzuwagen. Die Einfachheit
der Gesamtkonzeption: Jedes Stück trägt ein thematisches Intervall (und jeweils
sein komplementäres ) - siehe Titel - , aus dem heraus die Linie entsteht. Der
Ausgangspunkt ist bei jedem Stück nahezu identisch (c und cis sind immer vorhanden),
der jeweiligen Hauptintervallsituation angepaßt.
Für den Lehrenden liegt für jedes der Stücke eine Interpretationshilfe für die
Unterrichtsgestaltung bei, die "Widmungen" können hierzu ebenso zurate gezogen
werden; sowohl in Bezug auf Charakter der Stücke als auch auf Exkursionen in
die Musik/Kunstgeschichte.
Toronto-Chicago, 5.8.1999 Sven Hermann
Dauer: 5'00