das cabinet des dr. caligari
classical silent horror film by Robert Wiene [1919/20]
music: <- enslaved 1726[ by Interzone perceptible [2000]
before the film: "Holstenwall"
[VideoKlanginstallation byInterzone perceptible [2002]

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Madness and death are the topics of the expressionist silent film "Das Cabinet des Dr. Caligari" [1919/20] by Robert Wiene - the blackest depths of the human soul as a means of artistic expression. Interzone perceptible perform live a conceptional improvisation accompanying this film. Similar to the concept of Interzone perceptible, the film constantly shifts between different levels of perception and interpretation, a vibration that also characterises the improvisational approach.

 

 

"Du musst Caligari werden!" las man Anfang 1920 auf Plakaten an den Litfasssäulen Berlins. In verzerrten Buchstaben stand es da, darunter eine Zeichnung von zwei sich verkrampfenden Händen. Man ging ins Kino, um zu erfahren, was es damit auf sich hatte. Kaum saß man auf dem Kinostuhl, begann ein vermeintlich Irrer zu erzählen: von seiner Verlobten, vom Jahrmarkt, von einem pathologischen Schlafwandler, von Mord, von Entführung und von Dr. Caligari, dem dämonischen Schausteller, Wissenschaftler, Arzt.
Seit diesen Tagen geistert Caligari durch die deutsche Filmgeschichte; der Stil des Films, der graphische Expressionismus, ist fürs Kino ein kurzlebiges Experiment geblieben, Caligari sein bekanntester Film und gleichzeitig ein faszinierendes Dokument der erwachenden Kreativität des Films zur Zeit der Weimarer Republik.
So sollte man auch heute noch dem Ruf ins Kino folgen: "Du musst Caligari werden!"
[Text: scopium / Peter Ellenbruch, I.04]

Wahnsinn und Tod stehen im Vordergrund des expressionistischen Horror-Stummfilmklassikers Das Cabinet des Dr. Caligari von Robert Wiene - Abgründe menschlicher Psyche als künstlerisches Ausdrucksmittel. Interzone perceptible komponierte und spielt live zu diesem Film die Musik <- enslaved ]1726[, welche sich entsprechend dem Konzept des Films permanent in Vibration zwischen verschiedenen Wahrnehmungs- und Deutungsebenen bewegt. Vor Konzert- bzw. Filmbeginn wird die VideoKlangInstallation Holstenwall von Interzone perceptible einen ersten Hör- bzw. Stimmungseindruck der Filmmusik geben, zu welcher der Musikwissenschaftler Bernhard Stirner in den MusikTexten 94 (Ausgabe August 2002) schrieb:
"(…) Der deutsch-expressionistische Stummfilmklassiker (…) erschloß sich durch eine Musik, die keineswegs in den Bereich üblich gewordener musikalischer Illustration gerechnet werden kann, sondern die das filmische Werk Robert Wienes wie eine seltsame, andere Form einer Bildpartitur liest, in der das bereits angelegt ist, was die Musiker 80 Jahre später mit ihrem hochentwickelten Instrumentarium hervorzaubern: Halluzinatorische Stimmen, wagnerhaft waberndes Rauschen und Brummen, Attacken an der Grenze des rationalen Hörens (…)
Das den Raum betretende Publikum betritt nicht länger einen bis zu Beginn des Films neutralen Kinosaal bzw. ein neutrales Kinogebäude, sondern Holstenwall, den Marktplatz aus dem Horrorfilm Das Cabinet des Dr. Caligari, von dem aus der Schrecken seinen Lauf nimmt. Man wird Schreibgeräusche auf allen erdenklichen Unterlagen hören, Schreie, die hinter dicken Irrenhauswänden zu Hören sind, wahnsinniges stimmloses Lachen. Caligari schreibt sein Tagebuch...

Die Musik wurde für folgende Besetzung komponiert:
elektrifiziertes Akkordeon, E-Bass, 2 CD-Player, Live-Elektronik, (Schrei-)Stimme und additionale mechanische Klanggeneratoren.
[ip, I.04]