2014- Kommentar zu ORLAC'S HÄNDE

"Habe letztes Wochenende im Kino Endstation Bochum InterZone Perceptible gesehen, die den Stummfilm ORLACS HÄNDE live vertont haben - für mich bislang DAS cineastische Ereignis des Jahres. (...) was die Gruppe aufgeführt hat, gehört zu den besten und eindringlichsten Vertonungen, die ich je erleben durfte. Die beiden Herren spielen offiziell E-Bass und Akkordeon, treten aber mit einem unglaublichen Wust von Effektgeräten, Keyboards etc auf, durch welchen sie die Sounds ihrer Instrumente jagen, so daß die Originalinstrumente oft kaum noch erkennbar sind. Das ganze ist eher eine Industrial-Soundcollage, die mich an Throbbing Gristle, SPK etc. erinnert hat. Viel elektronischer und avantgardistischer, als es die Besetzung vermuten läßt. (...) Der Film (...) wurde dadurch zu einem völlig neuen Erlebnis. Die Vertonung von InterZone Perceptible versucht keinen Moment, die äußeren Geschehnisse zu illustrieren. Die Szene beispielsweise, in der Orlac völlig ekstatisch ein Klavierkonzert gibt, ist mit einem relativ monotonen Brummen/Summen unterlegt, was keinerlei Ähnlichkeit mit den Klängen hat, die Orlac und sein Publikum in der besagten Szene hören, wohl aber die Stimmungslage Orlacs beschreibt. Die Künstler illustrieren sozusagen die inneren Welten der Figuren. Das ganze läßt einen den Film auf eine völlig neue Weise erfahren (...) Ich hatte selten bei einer Stummfilmvertonung so oft Gänsehaut.

Ein Alptraum Deluxe."

 

Kai Krick, künstlerischer Leiter von BESONDERS WERTLOS - Das Festival des deutschen psychotronischen Films (Köln); Juni 2014