Garla / Manuel Hidalgo

GARLA
unzählige Tsch-Bagatellen für Akkordeon und E-Bass
mit einem Schlamperlied von Gotthold Ephraim Lessing
von Manuel Hidalgo [2000]

 

Kompositionsauftrag von Interzone perceptible
gefördert vom Ministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Dauer: 2'50

 

[UA: Bühl/Baden im Rahmen von "schroffe kanten", 25.11.2000]

 

1999 baten wir Manuel Hidalgo [*1959 in Antequera/Andalusien], ein bizarres Stück für uns zu schreiben. GARLA war seine Antwort. Die Spielweise von Akkordeon und E-Bass ist in diesem Stück entgegen der "schulischen" entfremdet durch extremes Herunterstimmen der tiefen E-Saite des Basses verbunden mit perkussiven Spieltechniken oder Klangerzeugungen auf dem Akkordeon, die dem Einschwingvorgang der Stimmzungen entgegenwirken. Röcheln, Rotzen, erstickter Klang ist die Konsequenz. Die Entfremdung wird durch zwei weitere Maßnahmen verstärkt: Trotz der im ersten Hinsehen "schlampigen" Klangfarbe (das "Schlampige" wird nochmals verstärkt durch offene verzerrte Mikrophone) werden beide Instrumente sehr virtuos eingesetzt.

Schautest du denn nie
Jungfer Lieschens Knie
Jungfer Lieschens Fingerhut
Ist zu allen Dingen gut

Der Text spiegelt die Komposition: Einerseits ist Inhalt und Struktur des Liedchens banal und vulgär, andererseits wurde es von Lessing mit dem Wunsch versehen, es in möglichst zahlreiche Sprachen zu übersetzen. Er selbst übersetzte es ins Englische, Lateinische und Altgriechische. Im Text als auch in der Musik liegt der Reiz, eine Spannung aufzubauen zwischen hoher Intellektualität und völlig Banalem...Punk